Corona Krise – Freiwillige Isolation Tag 5

Fakten des Tages:

Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen verhängen Ausgangsbeschränkungen, AFD-Chef Meuthen will rechten Flügel auflösen, viele Touristen sitzen noch immer im Ausland fest, Asylbewerber sollen bei der Ernte helfen, Italien vermeldet 600 Tote an einem Tag

Stand der Infizierten in Deutschland: 19.850 Menschen

Berlin, Freitag, der 20.03.20 – „Balkonien ohne Duftkerzen, rechte Propaganda und gefährliche Ignoranz“

Die erste Arbeitswoche im Home-Office neigt sich dem Ende entgegen. Noch vor 2 Wochen habe ich den Freitag immer herbeigesehnt, um mich mit Freunden zu treffen und meine Pflichten für 48 Stunden hinter mir zu lassen. In der freiwilligen Quarantäne gibt es keine Wochentage mehr. Ein Montag fühlt sich auf einmal genauso an wie ein Freitag.

Da die Ausgangssperre mit Sicherheit am Wochenende kommen wird, bereite ich mich schon mal auf meinen „Umzug“ in den Prenzlauer Berg vor. Ein Freund, der vorübergehend in Berlin ist, wird meine Wohnung in dieser Zeit hüten. Meine Tochter und ich, als auch die Familie meines Ex-Mannes haben jetzt eine Woche jeden Kontakt zur Außenwelt gemieden und bisher zeigt niemand COVID-19 Symptome. Daher steht unserem gemeinsamen „Camp Corona“ nichts mehr im Wege. Ich fühle mich gut bei dem Gedanken nicht alleine durch den nahenden Hausarrest gehen zu müssen.

Bevor ich aber alles einpacke, was ich für die kommenden Wochen brauche, muss ich noch ein paar Pakete retournieren, die immer noch bei mir im Flur liegen. Eine falsche IKEA Lieferung beispielsweise. Der eigentliche Empfänger tut mir fast ein bisschen leid, dass ihn seine Bestellung nicht erreicht hat und auch voraussichtlich nicht mehr erreichen wird. Im Karton liegt Bettwäsche für Zwei, orange Lampions für den Balkon, 24 Duftkerzen und eine Lasur für Gartenstühle. Hier hatte jemand Pläne für die Quarantänezeit. Wenn er mein Paket erhalten hat, ist er jetzt um reduzierte weiße Baumwoll-Bettwäsche und ein hellblaues Laken fürs Bett im Kinderzimmer reicher.

Am Nachmittag erhalte ich eine Whatsapp-Nachricht eines Bekannten, der mich über die Absichten der Linken in der Krise aufklären möchte und mir einen Zeitungsartikel mit dem reißerischen Titel „Linksextremisten rufen im Internet zu Plünderungen auf“ weiterleitet. Dazu ein ängstlicher Schrei-Emoji. Ich zitiere kurz die Einleitung „Daß Linksextremisten jede Möglichkeit nutzen, diesen Staat zu stürzen, ist hinlänglich bekannt. Daß sie Frauen zusammenschlagen und nicht einmal vor Kleinkindern haltmachen ebenfalls…“

Kurzes Quiz an meine Leserschaft: Welchem politischen Spektrum ordnen wir dieses Machwerk der Zeitung „Junge Freiheit“ zu? Sehr richtig: Rechts-konservativ. Ich möchte hiermit jedem eine kurze Google-Recherche ans Herz legen, bevor Inhalte ohne diese kritisch zu hinterfragen, panisch geteilt werden. Denn gerade jetzt heißt es: Ruhe bewahren und das Hirn einschalten. Ansonsten laufen wir ein zweites Mal in unserer Geschichte Gefahr, durch perfide Propaganda eine Demokratie an die Rechten zu verlieren.

Ich meinerseits verliere langsam Geduld und Nerven, wenn mir Menschen, die ich immer für intelligent gehalten habe, erzählen, dass sie deshalb nicht zuhause bleiben, weil sie sich lieber jetzt – da es noch ausreichend Krankenhausbetten gibt – anstecken möchten, als in ein paar Wochen.

Aha. Und genau wegen Spinnern wie Euch wird es eine einheitliche Regelung zu Ausgangssperren in ganz Deutschland noch an diesem Wochenende geben, weil es wahnsinnig schwer zu sein scheint, mal nicht zuerst an sich selbst zu denken.

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