Corona Krise – Freiwillige Isolation Tag 6

Fakten des Tages:

Der Großteil der Bürger hält sich an die verordneten Ausgangsbeschränkungen, der gesetzliche Schutz vor Kündigung von Mietverhältnissen während der Corona-Krise wird immer wahrscheinlicher, neue Todesfälle in Spanien und Italien, die EU erlaubt die Vergabe von uneingeschränkten Krediten an alle Mitgliedsstaaten.

Stand der Infizierten in Deutschland: mehr als 21.800 Menschen

Berlin, Samstag, der 21.03.20 – „Neue Vokabeln für den Osten und die Magie des Corona-Effekts“

In meinem gestrigen Text habe ich mehrfach das Wort „Ausgangssperre“ benutzt. Seit heute weiß ich, dass es im aktuellen Politik-Sprech aber korrekt „Ausgangsbeschränkungen“ heißt. Der Grund hierfür ist – und jetzt Ohren gespitzt – dass vor allem der Osten der Republik sich mit der Einschränkung von Bürgerrechten schwertut und daher nun ein weniger drastischer Begriff für eigentlich ein und dasselbe benutzt wird. Das ist ungefähr so, als sage man „Liebe machen“ obwohl man Ficken meint. Da man aber für letzteres sprichwörtlich freundlich sein muss, möchte ich jetzt kurz von einem kleinen, schönen Moment erzählen, der mir heute völlig unerhofft widerfahren ist.

Ich bin Besitzerin eines in die Jahre gekommenen Holland-Fahrrades, dass ich bei jedem Wetter im Hof stehen lasse. Bei Starkregen gerne auch mal im überdachten Hofeingang damit der poröse Sattel sich nicht vollsaugt wie ein Schwamm. Nachvollziehbar und eine Ausnahme meinerseits. Trotzdem wurde mein Rad schon mehrfach – vermutlich durch einen genervten Nachbarn – in Eigenregie unsanft auf die Straße gestellt. Beim ersten Mal dachte ich, es sei geklaut worden. Ich fand es dann aber circa 25 Meter vom Haus entfernt wieder, an eine Laterne gelehnt. Ein anderes Mal war mein Vorderlicht verschwunden oder im Fahrradkorb meiner Tochter lagen leere Flaschen und und zerknülltes Papier. Soviel zur Vorgeschichte des üblichen nachbarschaftlichen Umgangs in Berlin.

Als ich heute den Müll runterbrachte, staunte ich daher nicht schlecht, dass mein seit Tagen plattes Hinterrad, auf einmal aufgepumpt und voll einsatzbereit war. Ich schaute mich im Hof um und sah die Kinder meiner Nachbarn auf einer Bank sitzen. Ich fragte sie, ob sie wüssten, wer das gewesen sei. Sie lachten, und sagten, sie hätten das gemacht. Ich bedankte mich ungläubig und ging zurück ins Treppenhaus. Ist er das etwa schon, der magische Corona-Effekt, der uns alle zu besseren Menschen machen wird? Ich jedenfalls, könnte mich an diese „random acts of kindness“ gewöhnen.

Gewöhnen werden müssen wir uns hingegen an vernachlässigtes Haar. Da erwartungsgemäß auch alle Friseure in der kommenden Woche schließen werden, wird eine neue „Grunge“-Welle das Land und seine Köpfe überziehen. Graue Ansätze, ausgefranste Spitzen, rausgewachsene Schnitte und albere Videos über haarige Selbstversuche soweit das Auge reicht. Ich sichere mir jetzt schon mal die Rechte am Hashtag: #coronafrisur

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