Corona Krise – Freiwillige Isolation und Ausgangsbeschränkungen Tag 7

Fakten des Tages:

Bund und Länder beschließen verschärftes Kontaktverbot, die Zahl der Infizierten in Deutschland steigt weiter, der Gesetzesentwurf Kontaktpersonen durch Handydaten zu orten wird erst einmal verschoben, Italien verschärft Maßnahmen im Kampf gegen Corona, Pandemie verbreitet sich rasant in den Vereinigten Staaten, Kanzlerin Merkel in Quarantäne wegen positivem Coronabefund.

Stand der Infizierten in Deutschland: 23.974 Menschen

Berlin, Sonntag, der 22.03.20 – „In weiter Ferne so nah und Tinderella macht Pause“

Am Morgen packe ich alle meine Sachen zusammen zu rufe meiner Tochter und mir ein Taxi, um gemeinsam mit meiner Berliner Familie in die verschärfte Quarantäne zu gehen. Im Gegensatz zu vielen, die in diesen Tagen alleine durch die unsichere Zeit gehen müssen, kann ich meine Ängste und Gefühle jederzeit persönlich teilen. Gerade die Kinder sorgen mit ihrer Unbekümmertheit und ihrem Bedürfnis nach Normalität und Spiel dafür, dass ich die allgegenwärtige Krise streckenweise komplett vergesse.

Unser „Corona Camp“ ist verdammt gemütlich. Genug Platz für alle, eine schöne Dachterrasse, ein Hof zum Spielen und ein voller Kühlschrank. Diesen Zustand Krise zu nennen, klingt schon beinahe vermessen. Heute ist die älteste Tochter der Freundin meines Ex-Mannes, 14 Jahre alt geworden. Zum ersten Mal in ihrem jungen Leben, verbringt sie diesen Tag ohne ihre Freunde und einer richtigen Party. Um die Trauer über diesen Umstand zu mildern, haben alle Freunde und die Familie aus dem Aus- und Umland Videos geschickt, die zu einem sehr bewegenden Film zusammengeschnitten worden sind, mit dem die Teenietochter überrascht wird. Sogar mir, die die Gratulanten nur teilweise kennt, steigen während der Vorführung die Tränen in die Augen. Liebe in Zeiten von Corona, in weiter Ferne so nah.

Ich stelle mir vor, wie die heute vierzehnjährige M. bei ihrer Abiturrede im Jahr 2024 über diesen Geburtstag spricht und alle daran erinnert, dass die Corona-Krise Auslöser für den globalen Wandel war, der alle Systeme grundlegend veränderte und zu weltweiter, sozialer und politischer Gerechtigkeit und der Rettung des Weltklimas führte. Wenn das das Ergebnis unserer emotionalen Entbehrungen sein sollte, bleibe ich gerne noch ein paar Wochen zuhause.

Anderen scheint schon jetzt die Decke auf den Kopf zu fallen. Bei Whatsapp mehren sich die Nachrichten von Männern, die mich vermissen, mir unaufgefordert Dickpics schicken oder mir sehr eindeutige Angebote machen, die ich momentan leider kategorisch zum Schutz meiner Gesundheit und der meiner Familie ablehnen muss. Ich rechne bereits in den nächsten drei Wochen mit den ersten Heiratsanträgen. Dieses Mal muss ich Omas „Willst du gelten, mach Dich selten“ -Rat nicht gegen meine Natur bewusst forcieren, sondern bin aufgrund der Umstände einfach not available. Ist die Verknappung der Ressourcen und der Mangel an Optionen (kein uneingeschränkter Zugriff auf Dates mehr wegen Hausarrest, Angst vor Ansteckung bei Kontakt mit Fremden) oder das sich ändernde Qualitätsbewusstsein (Dina ist verdammt toll, toller als mir Trottel bewusst war, bevor Tinder unmöglich wurde) der Grund für diesen Umstand? Das wird die Zeit zeigen. Und davon habe ich momentan mehr als genug.

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