Corona Krise – Freiwillige Isolation und Ausgangsbeschränkungen Tag 8

Fakten des Tages:

Bund und Länder beschließen verschärftes Kontaktverbot, die Zahl der Infizierten in Deutschland steigt weiter, der Gesetzesentwurf Kontaktpersonen durch Handydaten zu orten wird erst einmal verschoben, Italien verschärft Maßnahmen im Kampf gegen Corona, Pandemie verbreitet sich rasant in den Vereinigten Staaten, Kanzlerin Merkel in Quarantäne

Stand der Infizierten in Deutschland: 23.974 Menschen

Berlin, Montag, der 23.03.20 – „Schirmchen-Drinks und der letzte Tanz des Mussolini“

Zu Beginn dieser neuen Woche möchte ich mich erstmal beim Jahr 2019 entschuldigen. Ich habe dir sehr unrecht getan mit meiner Aussage, Du seist eines der beschissensten Jahre meines Lebens gewesen. Welch voreiliger Trugschluss. In der Rückblende muss ich Dir sagen, du warst zwar wankelmütig wie ein pubertierender Teenager aber eigentlich recht liebenswert. Oder wie Joni Mitchel es ausdrücken würde: Don’t it always seem to go that you don’t know what you’ve got ‚till it’s gone…

Unser familiäres Zusammenleben in “Camp Corona” ist bisher sehr friedlich. Nur dass wir alle – außer der 2-Jährigen – langsam durchdrehen, wenn wir noch einmal den Pippi Langstrumpf Song hören müssen, der vom Ipad in Endlosschleife abgedudelt wird.

Endlos erscheinen auch manchmal die Abende zuhause. Ich hätte nie gedacht, dass mir Barbesuche und Tanzen so fehlen würden. Jeder Film, jede Serie mit einer Barszene, erfüllt mich mit einer bisher ungeahnten Sehnsucht nach Exzess und Zerstreuung. Ach, wie schön war ein gepflegter Rausch unter Fremden, die ein paar Stunden zu Freunden wurden.

Um unserem Leben in der Quarantäne etwas von diesem Party-Flair zu zurückzugeben, werden wir daher am Freitag auf der Dachterrasse bei immerhin schon 14 Grad „angrillen“ und ein paar Schirmchen-Drinks kippen in Gedenken an all die Abende, die wir zum Tag gemacht haben und all die aufregenden Nächte, die da noch kommen werden. Denn zum Glück, stirbt die Hoffnung ja immer zuletzt.

Apropos Hoffnung, mein Jammern auf höchstem Niveau verstummt sofort im Angesicht derer, die momentan gar kein Zuhause und nicht mal ein menschenwürdiges Dasein haben. Die Bilder aus den Flüchtlings-Camps an der griechischen Grenze sind nicht nur erschütternd, sie sich beschämend und verstörend unterrepräsentiert in unseren Medien. Getreu dem Motto:
First world, first.

Dieses System aufrecht zu erhalten, erforderte schon immer ein gewisses Maß an Verdrängung und den „Gutmenschen“ mal zuhause lassen. Ich bin daher gespannt, wann wir entscheiden, dass Verluste an Menschenleben zu Gunsten der Fortführung unserer Ökonomie, wie wir sie kennen, nicht mehr vermeidbar sind und wir Ausgangsbeschränkungen und Quarantäne aufweichen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Wieviel ist das Leben von Oma oder unserem vorerkrankten Nachbarn uns wirklich wert, wenn die sogenannte Lebensqualität aller langfristig darunter leidet? Was, wenn das Darwinsche Prinzip, eigentlich „No go“ unseres Sozialstaates, sich am Ende als die einzige praktikable Lösung herausstellt, da wir immer noch nicht reif für eine neue Weltordnung im Sinne von Star Trek sind?

Ich hoffe, dass wir diese grausame Entscheidung niemals treffen müssen und die Medizin uns und unsere Menschlichkeit rettet, um eine bessere Welt zu erschaffen, in der wir uns diese Fragen nie wieder stellen müssen.

Als Schlusswort heute, muss ich als gebürtige Wuppertalerin, aber noch den Tod des DAF-Sängers Gabriel Delgado erwähnen, der mir zwar nur durch seine Musik bekannt ist, aber mit dessen jüngerer Schwester Bea, ich gemeinsam mit meiner Schwester Sara in unseren Zwanzigern eine echt tolle Zeit hatte. Ich umarme Dich aus der Ferne, Du Hübsche, wo auch immer Du gerade sein magst.

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